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Platzt die Bitcoin-Blase?

Posted 20. Dezember 2017 By ljwimmer

Seit dem Allzeithoch bei $ 19.891 (Bitfinex) am 17. Dezember fällt der Kurs von Bitcoin bereits den vierten Tag in Folge. Platzt die Blase?

Ich denke nicht. Viele Analysten bemühen seit Jahren gebetsmühlenartig immer wieder den unsäglichen Tulpen-Blasen-Vergleich. Aber wer sind diese Analysten? Sie kommen aus dem Lager derjenigen, denen diese neue Technologie ein Dorn im Auge ist: Regierungen, Zentral- und Geschäftsbanken. Sachliche und fachlich fundierte Analysen sind kaum darunter.

Versachlichen wir die Diskussion: für ein System im Zustand einer Blase gibt es eine Definition. Als Spekulationsblase bezeichnet die Makroökonomie eine Marktsituation, in der die Preise eines Handelsguts oder Vermögensgegenstandes bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert liegen. Für die Entstehung von Blasen werden in der Literatur viele mögliche Ursachen diskutiert. Diese reichen von begrenzter Rationalität, über Institutionalisierung und Spekulation bis hin zu Inflation. Die „Greater Fool“ Hypothese geht davon aus, dass am Markt immer jemand (ein noch größerer Narr) bereit ist, einen noch höheren Preis zu zahlen. Übersteigt dann das Angebot die Nachfrage, bricht der Preis ein und die Blase platzt.

Der Vergleich mit der im Zusammenhang mit Bitcoin oft zitierten Tulpen-Blase in den Jahren 1636 und 1637 hinkt. Damals waren Tulpen neue Liebhaberobjekte, die in den Gärten der sozial gehobenen Schichten des gebildeten Bürgertums der Niederlande kultiviert wurden. Einem vergleichsweise geringen Angebot stand eine enorm hohe Nachfrage gegenüber. Die Folge war ein gewaltiger Anstieg der Preise. Weil man damit viel Geld verdienen konnte, nahmen Handel und Angebot zu. Und weil es plötzlich Tulpen en masse gab, war niemand mehr bereit, überhöhte Preise zu bezahlen, die Blase platzte. Wer mehr darüber wissen will, kann sich auf Wikipedia schlau machen.

Bei Bitcoin fehlt das wesentlichste Element einer Blasen-Bildung: die Ausweitung des Angebots. In gewissen zeitlichen Abständen werden gezielt bestimmte Mengen an Bitcoin „geschürft“ und die maximale Anzahl Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück begrenzt, die im Jahr 2140 vorhanden sein werden. Allein dieses von „Satoshi Nakamoto“ eingeführte deflationäre Konzept der Cryptowährung wirkt einer Blasenbildung entgegen.

Mit diesem Bitcoin Bashing soll eigentlich nur von einer tatsächlichen Blase abgelenkt werden: den Anleihenkäufen von EZB und FED. Verantwortlich für diese gigantische Blase, die unzählige Vermögenswerte vernichten wird, sind Mario Draghi und Janet Yellen.

Die Deutsche Bank Research („Die dunklen Seiten des Quantitative Easing“) schrieb dazu am 2. November: „Das Eigenlob der Europäischen Zentralbank für Ausmaß und Kreativität ihrer Geldpolitik scheint zunehmend unangebracht. Tatsache ist, dass der Euroraum … nicht tragfähige Verschuldungsquoten … zu verzeichnen hat.“ Die EZB-Politik habe eine Fehlallokation von Kapital hervorgerufen, die den Prozess der schöpferischen Zerstörung verhindere und Vermögenspreisblasen entstehen lasse.

Es ist dieser Schuldenberg, vor dem wir uns fürchten müssen. Die Schuldenorgie der Regierungen und Zentralbanken führt nicht nur zu einer Umverteilung von unten nach oben, sondern wird auch viele Menschen ins finanzielle Unglück stürzen, wenn sie zu Ende ist. Da vertraue ich mein Geld lieber einer dezentralisiert organisierten, libertären, mathematisch definierten Cryptowährung an, als einem Euro oder US-Dollar, der von Regierungen manipuliert werden kann und wird.

Bei Analysen zu Bitcoin & Co. sollte man also grundsätzlich darauf schauen, von wem diese Analysen stammen. In der Regel steckt immer eine Absicht dahinter.

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