Niedrige Zinsen werden zur Bedrohung

 

Die rekordtiefen Zinsen setzen Versicherer unter Druck. Wie das gestern veröffentlichte aktuelle „Versicherungsbarometer 2015“ zur Lage der Schweizer Versicherungswirtschaft zeigt, hat sich das Geschäftsumfeld für die überwiegende Mehrheit der Unternehmen verschlechtert.

Die Studie ist von EY (Ernst & Young AG, Basel) zusammen mit dem Institut für Accounting, Controlling und Auditing der Universität St. Gallen erarbeitet worden. Kern der Untersuchung bilden Expertenbefragungen, die zwischen April und Anfang Juni 2015auf der Basis von Fragebogen sowie ausführlichen persönlichen Gesprächen durchgeführt worden sind. Beteiligt haben sich CEOs und andere Mitglieder der Geschäftsleitung von 15 Schweizer Versicherungsgesellschaften. Die befragten Unternehmen decken im Bereich Lebensversucherung mehr als drei Viertel, im Bereich Schaden- und Krankenversicherung über die Hälfte des Marktes ab.

Sämtliche der befragten Lebensversicherer und zwei Drittel der Schaden- und Krankenversicherer veurteilen die Entwicklung negativ. Die Unternehmen reagieren darauf – wie sollte so anders sein – mit Kostensenkungen („Personalabbau“ ist ein probates Mittel, also Entlassungen von Mitarbeitern) und der Anpassung ihrer Produkte (also Verbesserung der Marge für das Unternehmen und Verschlechterung der Leistung für den Kunden). Die Firmen schliessen dabei nicht einmal aus, einzelne Geschäftsbereiche komplett aufzugeben.

Machen wir uns nichts vor: die Versicherungswirtschaft hat ein Riesenproblem. Und das nicht nur in der Schweiz. Aber dort gibt es wenigstens eine aktuelle Studie zur Lage der Branche. In diesem Zusammenhang möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein „Experiment“ einer „Do-It-Yourself-Kapitallebensversicherung“ gut vorankommt. Die Zahlen und Fakten dazu sind gut dokumentiert, jetzt arbeite ich noch an zusätzlichen Informationen, um das Ganze praktikabel abzurunden. Einen Zwischenstand werde ich zum 30. Juni hier bekanntgeben. Es wird Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Die Niedrigzins-Keule wird auch Versicherungsgesellschaften in anderen Ländern treffen. Die Versicherungsgesellschaften in Dänemark, Norwegen und Schweden werden sicher auch darunter leiden, auch wenn die Zins-Situation dort noch etwas besser ist. In Norwegen sticht eine der größten norwegischen Nicht-Lebensversicherungen hervor, die Gjensidige Forsikring ASA. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 61,9 Mrd. NOK, einem KGV von 16,6 und einer Umsatzrendite von 22,5% bietet sie eine Dividendenrendite 2015e von aktuell 5,3%. Das kann sich sehen lassen. Eine Limit-Kauforder (NOK 122,60) habe ich soeben an der Börse Oslo aufgegeben.

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