Panik in China

Ausländische Investoren verkaufen Shanghai-Aktien, als gäbe es kein Morgen mehr. Nach der diesjährigen Rallye hatten viele Analysten den Absturz vorhergesehen. Im Durchschnitt der Gewinnschätzungen waren die CSI300-Aktien in der Spitze fast dreimal so hoch bewertet wie die Top-Ten-Märkte. Aber der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Die Verkäufe chinesischer Festland-Aktien erreichte gestern ein Allzeit-Hoch. Die Kosten für Absicherungen gegen weitere Verluste sind am US-Optionsmarkt auf Rekordniveau gestiegen.
Wie es sich für eine staatlich gelenkte Wirtschaft gehört, versucht die chinesische Regierung mittels staatlicher Finanzinstitute den Ausverkauf zu stoppen. Dabei nimmt sie in Kauf, dass ihre Glaubwürdigkeit in Bezug auf die Entwicklung einer stärker marktorientierten Wirtschaft leidet. Mit Argusaugen beobachten Analysten weltweit, ob die Politik in der Lage ist, das Finanzsystem zu steuern, sollte sich der Ausverkauf nicht eindämmen lassen. Denn viele Investoren gehen von einer weiteren Korrektur aus, hatten doch Analysten bereits im Juni vor einer Blase gewarnt.
Viele deutsche Investoren dürfte es ebenfalls kalt erwischt haben. Trotz der Möglichkeiten des Internet ist es immer noch schwierig, rechtzeitig Informationen über die Entwicklung eines Marktes in Asien zu bekommen. Mein Vertrauen in saubere Geschäfte an den chinesischen Börsen ist nicht sehr hoch. Das liegt nicht mal so sehr an den aktuellen Pleiten chinesischer Firmen, die in Deutschland gelistet sind. Es sind einfach die Tatsache, dass die chinesische Regierung jederzeit in einem Maße eingreifen kann, das in Europa oder den USA nicht möglich ist. Und es ist der „Zockermarkt“, der sich in den vergangenen Jahren in China entwickelt hat. Wer ein bisschen Geld hat, „spielt“ an der Börse, ohne die Regeln zu kennen und ohne allzu viel Wissen über Wirtschaft und Finanzen zu haben. Das führt zu teilweise erratischen Ausschlägen, mit denen man ziemlich schnell viel Geld verlieren kann.
Ich bleibe dabei: warum in die Ferne schweifen? Die skandinavischen Börsen sind näher, die Marktteilnehmer vor Ort haben eine ähnliche Mentalität und die meisten kennen die Regeln. Die gelisteten Firmen sind an sich solide, bringen gute Dividende und haben ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Eine dieser Firmen mit aktuell 4,6% Dividende (2015 geschätzt) haben wir heute gekauft: Tryg, ein Versicherungs-Dienstleister aus Dänemark.

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